Abschlussveranstaltung des EMPOWER-Teilprojekts „Soziale Teilhabe digital“
Großes Interesse am Online-Vortrag mit lebhafter Diskussion im Anschluss
Mainz, 02.02.2026: Am 22. Januar 2026 fand die Abschlussveranstaltung des EMPOWER-Teilprojekts „Soziale Teilhabe digital – Apps für ältere Menschen“ (Teilvorhaben „Health“, Katholische Hochschule Mainz & Hochschule Mainz) im Rahmen eines Online-Vortrags mit anschließender Diskussion in der Vortragsreihe „Logopädie digital“ statt. Die Projektleiterin Prof.in Dr. Sabine Corsten und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Almut Plath boten Forschenden, Praxispartner:innen, Projekteilnehmenden und interessierten Gästen spannende Einblicke in zweieinhalb Jahre intensive Projektarbeit, die nun erfolgreich abgeschlossen wurden.
Im Fokus: Zentrale Herausforderungen sozialer Teilhabe im Alter
Das EMPOWER-Teilprojekt adressierte zentrale Herausforderungen sozialer Teilhabe im Alter und fokussierte sich dabei auf Menschen in Senioreneinrichtungen. Hochaltrige Menschen mit funktionalen Einschränkungen erleben besonders häufig Einsamkeit und reduzierte Lebensqualität. Biographiearbeit gilt hier als ein vielversprechender Ansatz, um Kommunikationsanlässe zu schaffen, Selbstwirksamkeit zu fördern und soziale (Ein-)Bindung zu stärken. Um nachhaltige Gesprächsanlässe zu schaffen, entwickelte das Projektteam der Katholischen Hochschule Mainz und der Hochschule Mainz eine digitale Anwendung, die Tablet-gestützte Biographiearbeit mit Digital Geographic Storytelling, ortsgebundenen Erzählungen, verbindet – und das immer mit dem Ziel, die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern. Zur Stimulation der lebensgeschichtlichen Erzählungen wurde die Web-App BaSeTaLK (basetalk.de) genutzt, mit der Reisen an virtuelle Orte möglich sind. Um die ortsbezogenen Geschichten multimodal darstellen zu können, wurde gemeinsam mit älteren Menschen in Senioreneinrichtungen die Web-App LINA (Lebensgeschichten Individuell und Nachhaltig Aufbereitet) entwickelt und erprobt. Durch die gemeinsame Entwicklung wurde sichergestellt, dass LINA bestmöglich den Wünschen und Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Mit dem entwickelten Prototypen können ortsbezogene Erinnerungen individuell mit multimodalen Stimuli (Bilder, Audio, Video, Text) aufbereitet werden, und biographische Erzählprozesse können nachhaltig angeregt werden.
Einsatz der App LINA
Bei der zielgruppenorientierten Entwicklung stand ein Aspekt im Vordergrund: LINA muss für ältere Menschen intuitiv, autonom und barrierearm nutzbar sein. Hieraus ergaben sich in der Entwicklungsphase zahlreiche wichtige Überarbeitungsschleifen. Mit Erfolg: Während zu Beginn der Erprobung noch strukturierte Hinweise zur Anwendung der Web-App gegeben wurden, nutzten die Teilnehmenden LINA zunehmend selbstständig – teils allein, teils gemeinsam mit anderen Bewohner:innen oder sogar mit ihren Kindern oder Enkelkindern, denen sie die Anwendung zeigten. Wie erlebten die Teilnehmenden den Einsatz der Anwendung? Erste Befragungen zeigen deutliche Potenziale: Die Anregung von Erinnerungen, die Wertschätzung für die eigene Lebensgeschichte oder auch die Selbstwirksamkeitserfahrungen im Umgang mit Technik wurden von den Teilnehmenden als sehr positiv wahrgenommen. Auch die betreuenden Fachkräfte in den Senioreneinrichtungen beschreiben LINA als beziehungsstärkendes Instrument, das Angehörige einbeziehen kann, und insbesondere bei zunehmender dementieller Erkrankung neue kommunikative Zugänge verspricht.
Dass die Ergebnisse des Teilvorhabens im gut gefüllten digitalen Veranstaltungsraum auf großes Interesse stießen, ließ sich an der lebhaften Diskussion feststellen, bei der offene Herausforderungen, weitere Einsatzmöglichkeiten und Entwicklungspotenziale von LINA im Fokus standen: Wie können ältere Menschen motiviert werden, LINA dauerhaft in ihrem Alltag zu nutzen? Wie kann der Einsatz der App nach Projektende institutionell verankert werden? Spannende Ideen zu diesen Punkten ergaben im Austausch, dass die App beispielsweise auch gemeinsam mit Angehörigen als intergeneratives Austauschinstrument oder als digitaler Nachlass gepflegt und genutzt werden könnte. Erklärtes Ziel des Projektteams ist es, LINA möglichst auch über das Projektende hinaus weiterzuentwickeln.
Erfolgreicher Projektabschluss und Nominierung
Das Team von „Soziale Teilhabe digital“ bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden und Projektpartner:innen und blickt auf eine ereignisreiche und erfolgreiche Zeit zurück, in der mit der Entwicklung von LINA wichtige Innovationsprozesse zur Biographiearbeit mit älteren Menschen angestoßen werden konnten. Eine besondere Anerkennung wurde dem Projektteam bereits im Dezember 2025 zuteil, als es beim Publikumspreis „Digitale Teilhabe“ der Initiative Digital für alle (DFA) unter die TOP 3 der nominierten Projekte gewählt wurde.
Projekthomepage: Soziale Teilhabe digital – Apps für ältere Menschen
Video: Die Web-App LINA