Prof. Dr. Philipp Struck stellte das EMPOWER-Teilprojekt „Data Literacy – Future Skills für Fachkräfte im Gesundheitswesen“ vor.
Prof. Dr. Philipp Struck stellte das EMPOWER-Teilprojekt „Data Literacy – Future Skills für Fachkräfte im Gesundheitswesen“ vor (Bilder: Sven-Helge Czichy_ Hochschule Mainz).

Digitalisierung und Gesundheit: EMPOWER bringt Forschung und Praxis einmal mehr zusammen

 
Bei einer Veranstaltung im LUX Pavillon der Hochschule Mainz präsentierten Wissenschaftler:innen innovative Ansätze für Gesundheit, Pflege und Soziale Arbeit. Interaktive Formate machten deutlich, wie vielfältig der Transfer digitaler Lösungen in die Praxis sein kann.

Mainz, 30.10.2026: Wie können digitale Technologien die Gesundheit fördern, die Versorgung unterstützen und Fachkräfte auf die Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt vorbereiten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung „Digitalisierung & Gesundheit: Neue Perspektiven & Lösungsansätze“, die am 27. Oktober 2026 im LUX Pavillon der Hochschule Mainz stattfand. Knapp 100 Teilnehmende erhielten Einblicke in aktuelle Forschungs- und Innovationsprojekte und diskutierten mit Expert:innen über Chancen, Herausforderungen und konkrete Anwendungsmöglichkeiten digitaler Lösungen.

Die von der Hochschule Mainz und der Katholischen Hochschule Mainz im Rahmen des Verbundprojekts EMPOWER organisierte Veranstaltung knüpfte an ein erstes Treffen zu diesem Themenfeld im April 2025 an. Sie zeigte, wie der hochschulübergreifende Austausch dazu beitragen kann, wissenschaftliche Erkenntnisse für Unternehmen und Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens zugänglich zu machen und gemeinsam neue Perspektiven für die Praxis zu entwickeln.

Von digitalen Kompetenzen bis zu intelligenten Gesundheitstechnologien
Die vorgestellten Projekte, darunter auch einige Pilotvorhaben aus dem EMPOWER-Verbund, verdeutlichten die thematische Breite des Transfers im Bereich Digitalisierung und Gesundheit. Dabei ging es sowohl um neue technologische Möglichkeiten als auch um die Frage, welche Kompetenzen, Rahmenbedingungen und Formen der Zusammenarbeit notwendig sind, damit digitale Innovationen sinnvoll eingesetzt werden können.

Prof. Dr. Philipp Struck von der Katholischen Hochschule Mainz stellte das EMPOWER-Teilprojekt „Data Literacy – Future Skills für Fachkräfte im Gesundheitswesen“ vor. Es untersucht, welche Fähigkeiten angehende Pflegefachpersonen und Physiotherapeut:innen benötigen, um Daten und digitale Anwendungen kritisch, sicher und verantwortungsvoll zu nutzen. Auf Grundlage erster Erkenntnisse entwickelt das Projektteam um Philipp Struck aktuell Workshopformate, die diese „Kompetenz, die in Zukunft gebraucht wird“ bereits in der beruflichen Ausbildung vermitteln soll.
Wie digitale Technologien Bewegungstraining unterstützen können, zeigte im Anschluss Prof. Dr. Alexander Wiebel von der Hochschule Worms anhand des Projekts „SkillXR“. Mithilfe von Extended-Reality-Technologien wird visuelles Echtzeit-Feedback zur Ausführung von Bewegungsübungen so bereitgestellt, dass Trainierende es unabhängig von ihrer Kopf- und Blickrichtung wahrnehmen können – und auf diese Weise einem Personalengpass in der Physiotherapie entgegengewirkt. Die anschließende Diskussion eröffnete weitere Perspektiven auf mögliche Einsatzbereiche in der Praxis.

Auch Künstliche Intelligenz und die Auswertung von Gesundheitsdaten standen im Fokus: Prof. Dr. Sergio Staab von der Deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften er-läuterte, wie Sensoren, Wearables und Machine Learning-Modelle dabei helfen können, Muster in Bewegungs- und Vitaldaten zu erkennen und daraus Hinweise für Prävention und Versorgung abzuleiten. Auf dem Weg zum digitalen Patienten, dessen Gesundheits-daten in Zusammenhang gebracht werden können, befinde man sich in einer Phase exponentiellen Lernens, konstatierte Sergio Staab. Zugleich wurden in diesem Slot Fragen nach Datenqualität, Datenschutz und dem verantwortungsvollen Umgang mit KI aufgeworfen.

Einen ganz anderen Zugang zu Gesundheit und Digitalisierung eröffnet das EMPOWER-Projekt FLORA. Die multimediale Ausstellung, die über den vergangenen Sommer im Gutenberg-Museum MOVED und im Naturhistorischen Museum Mainz zu sehen war, machte historische und aktuelle Erkenntnisse über heimische Pflanzen durch digitale Exponate und interaktive Vermittlungsangebote zugänglich. Mit insgesamt 27.000 Besucher:innen veranschaulichte FLORA, wie wissenschaftliche Inhalte in die Gesellschaft getragen werden können. Projektleiterin Prof. Anja Stöffler hatte zur Veranschaulichung am Dienstag nicht nur einige der digitalen Exponate aus der erfolgreichen Ausstellung mitgebracht, sondern berichtete auch davon, wie sich über moderne Medien uraltes Pflanzenwissen, Biodiversität und Gesundheitsprävention miteinander verbinden lassen und auf diesem Wege Besucher:innen dazu gebracht werden konnten, sich mit der eigenen Gesundheit zu befassen.

Interaktion schafft neue Perspektiven für den Transfer
Neben den Fachvorträgen prägten interaktive Formate das Programm. In parallelen Sessions konnten die Teilnehmenden digitale Beratungsangebote erproben und einschätzen, KI-Anwendungen wie ChatGPT und NotebookLM für den Berufsalltag kennenlernen, spielerische Methoden für komplexe Gesundheitsthemen ausprobieren und das Potenzial von Process Mining für die Analyse und Optimierung von Abläufen im Gesundheitswesen erkunden.

Der praktische Zugang ermöglichte es den Teilnehmenden in diesem Block, Chancen und Grenzen digitaler Anwendungen unmittelbar zu diskutieren und eigene Erfahrungen einzubringen. Dabei ging es nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern auch um ethische Fragen, Nutzerbedürfnisse und die Gestaltung bedarfsgerechter Angebote. Die Rückmeldungen aus dem Publikum lieferten zusätzliche Anregungen für mögliche Einsatzszenarien.

Wie eng digitale Innovation und menschliche Bedürfnisse miteinander verbunden sind, thematisierte daran anschließend auch das EMPOWER-Teilprojekt „Wie zu Hause“ der Katholischen Hochschule Mainz. Almut Plath präsentierte erste Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung der Eingewöhnung in Pflegeheimen und stellte klar: „Der Einzug in eine Pflegeeinrichtung ist ein bedeutsamer biografischer Übergang.“ Gemeinsam mit Praxispartnern untersucht das Projekt, wie die Identität der Bewohner:innen und ihre familiären Bindungen gestärkt werden können – unter anderem durch Bewegung und digital unterstützten Informationsaustausch mit Angehörigen.

Digitale Resilienz: Vorbereitet sein, wenn Systeme ausfallen
Zum Abschluss richtete Prof. Dr. Dirk Loomans von der Hochschule Mainz den Blick auf die digitale Resilienz im Gesundheitswesen. In seinem Impulsvortrag „Wäre Ihre Einrichtung ein Flugzeug, dürfte sie nicht starten“ machte er deutlich, dass Cybersicherheit allein nicht ausreicht, um die Handlungsfähigkeit von Gesundheitseinrichtungen nachhaltig zu sichern.

Anhand von Analogien zur Luftfahrt erläuterte Loomans eingänglich, wie eingeübte Notfallverfahren, eine konstruktive Fehlerkultur und eine Gestaltung, die menschliche Fehler berücksichtigt, zur Sicherheit beitragen können. Solche Prinzipien ließen sich zumindest teilweise auf das Gesundheitswesen übertragen, so Loomans. Entscheidend sei jedoch, nicht erst im Krisenfall zu reagieren, sondern Abläufe für den Ausfall digitaler Systeme frühzeitig vorzubereiten und regelmäßig zu üben.

EMPOWER stärkt den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Wissenstransfer viele Formen annehmen kann – von der Entwicklung und Erprobung neuer Technologien über die Vermittlung digitaler Kompetenzen bis hin zur Gestaltung neuer Zugänge zu Gesundheit und zur wissenschaftlichen Begleitung von Veränderungsprozessen in der Pflege. Die Projekte zeigen zugleich, dass Innovation nicht allein durch technische Lösungen entsteht. Sie braucht den Austausch mit den Menschen, die diese Lösungen künftig anwenden, ebenso wie die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.

Zum Abschluss betonte Prof. Dr. Thomas Hermsen von der Katholischen Hochschule Mainz, dass die Veranstaltung gezeigt habe, woran die Hochschulen arbeiten und wie eng sie mit der Praxis zusammenarbeiten. Dabei gebe es nicht immer Patentrezepte. Umso wichtiger sei es, Fragen gemeinsam zu bearbeiten, Erfahrungen auszutauschen und Lösungsansätze weiterzuentwickeln.

Dass dieser Austausch auf konkrete Bedarfe trifft, das unterstrich Prof. Dr. Anett Mehler-Bicher, Vizepräsidentin Forschung der Hochschule Mainz und Gesamtprojektleiterin von EMPOWER, im Nachgang des Events: „Die große Resonanz an externen Teilnehmenden an dieser Veranstaltung hat gezeigt, dass wir drängende Themen der Gegenwart aufgegriffen und thematisiert haben. Hochschulen und Praxis müssen gemeinsam an diesen Themen arbeiten.“

Mit der zweiten Transferveranstaltung zum Thema „Digitalisierung und Gesundheit“ setzten die beiden Mainzer EMPOWER-Hochschulen einen weiteren Impuls für diesen Dialog. Die Veranstaltung verdeutlichte, wie der Verbund wissenschaftliche Expertise sichtbar macht, unterschiedliche Perspektiven zusammenführt und den Austausch über Lösungsansätze für Wirtschaft und Gesellschaft sowie insbesondere für das Gesundheits- und Sozialwesen fördert.

Pressekontakt

Britta Käufer
Kommunikationsmanagerin
Verbundprojekt EMPOWER
Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen
britta.kaeufer(at)hwg-lu.de
Telefon: +49(0)621.5203-249

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