EMPOWER beim OPEN OHR Festival 2026: Mit Diskussion über Einsamkeit neues Publikum erreicht
Wie lassen sich wissenschaftliche Perspektiven auf Einsamkeit und Digitale Beratung in die Gesellschaft tragen? Das OPEN OHR Festival bot dem EMPOWER-Verbundprojekt die Gelegenheit, mit einem vielfältigen Publikum über soziale Teilhabe und gesellschaftliche Verantwortung ins Gespräch zu kommen
Mainz, 03.06.2026: Wie lässt sich über Digitale Beratung, Soziale Arbeit und gesellschaftliche Herausforderungen mit Menschen ins Gespräch kommen, die man über klassische Fachveranstaltungen kaum erreicht? Eine Antwort darauf gab es beim 52. OPEN OHR Festival in Mainz. Das traditionsreiche Jugendkulturfestival, das jährlich an Pfingsten auf der Mainzer Zitadelle stattfindet, verbindet Kultur, politische Bildung und gesellschaftliche Debatten – und bot damit einen ungewöhnlichen, aber sehr passenden Rahmen für das EMPOWER-Verbundprojekt.
Unter dem diesjährigen Festivalmotto „ALLEINSAM?“ beschäftigten sich die mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher mit dem Phänomen der Einsamkeit. Auf dem Podium „Einsamkeit ist kein Zufall“ diskutierte Dr. Melanie Oehl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im EMPOWER-Teilprojekt „Digitale Beratungskompetenz“ an der Katholischen Hochschule Mainz, gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten über Ursachen von Einsamkeit und mögliche gesellschaftliche Antworten.
Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Soziale Arbeit und Digitale Beratung bei der Unterstützung einsamer Menschen spielen können. Dabei wurde deutlich, dass Einsamkeit nicht allein als individuelles Problem verstanden werden darf. Vielmehr stehen auch strukturelle Faktoren wie Armut, prekäre Beschäftigung, Wohnungsnot, die Individualisierung von Lebensrisiken oder der Rückgang öffentlicher Begegnungsräume im Zusammenhang mit dem Entstehen und der Verstärkung von Einsamkeit.
Digitale Beratung ist inzwischen ein eigenständiger Bestandteil professioneller Sozialer Arbeit. Damit sie wirksam und verantwortungsvoll gestaltet werden kann, braucht es eine reflektierte professionelle Beziehungsarbeit unter digitalen Bedingungen. Dazu gehören Fragen des Vertrauensaufbaus über digitale Medien, des Datenschutzes und der informationellen Selbstbestimmung ebenso wie die kritische Reflexion von Chancen und Grenzen digitaler Beratungsangebote.
Wissenschaft im Austausch mit der Gesellschaft
Für das EMPOWER-Projekt war die Teilnahme am OPEN OHR Festival eine Gelegenheit, diese Themen außerhalb des üblichen wissenschaftlich-fachlichen Kontexts zu diskutieren. Das Festivalpublikum brachte eigene Perspektiven, Erfahrungen und Fragen ein und eröffnete damit neue Zugänge zum Thema.
„Mit der Teilnahme am Podium und der anschließenden Fragerunde mit dem Publikum hat das Projekt gezeigt, dass sich diese Diskussion in einem ungewöhnlichen Umfeld wie einem Festival lohnt“, resümiert Dr. Melanie Oehl. „Gerade die Verbindung von Kultur, gesellschaftlichem Austausch und fachlicher Diskussion ermöglicht es, Menschen unterschiedlicher Perspektiven zu erreichen und sie in Kontakt mit den Fragen zu Digitaler Beratungspraxis und zur Forschung zu bringen.“
Die Teilnahme am OPEN OHR Festival verdeutlicht damit einen zentralen Anspruch des EMPOWER-Verbundprojekts: Wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur innerhalb von Fachkreisen zu diskutieren, sondern in den Dialog mit der Gesellschaft zu gehen. Gerade Themen wie Einsamkeit, Gesundheit und soziale Teilhabe betreffen den Alltag vieler Menschen unmittelbar. Formate wie das OPEN OHR schaffen Räume, in denen wissen-schaftliche Perspektiven, praktische Erfahrungen und gesellschaftliche Fragestellungen zusammenkommen – und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Wissenstransfer und gesellschaftlicher Teilhabe.